"Frau X zeigt stets eine hohe Leistungsbereitschaft und Einsatzfreude" interpretiere ich als "sie war zwar bereit, hat aber nichts getan". Der wertende Tel eines Arbeitszeugnisses besteht aus insgesamt acht Leistungsabschnitten, siehe
http://www.arbeitszeugnis.de/images/Zeugnisstruktur.pdfDer erste Abschnitt bewertet die Bereitschaft, z.B. mit den Attributen Engagement, Einsatzbereitschaft etc. Die von Ihnen zitierte Aussage ist also völlig okay (Note 2).
Direkt danach kommt:
"Sie verfügt über eine schnelle Auffassungsgabe und ein ausgeprägtes Bedürfnis, die übertragenen Aufgaben vollständig zu erfassen."
Bei dem Satz habe ich gleich 3 Mal gestutzt. Was bedeutet der zweite Halbsatz? Dies bewertet die Arbeitsbefähigung, den zweiten der acht Abschnitte. Ungewöhnlich ist lediglich der Einschub "war es ihr ein Bedürfnis", der in der Tat interpretiert werden könnte im Sinne von "hat sich bemüht, es ist ihr aber nicht gelungen".
Meine Tätigkeiten waren sehr minderwertig (fast nur Ablage) - trotz 3 Ausbildungen und 1 Studium. Und dann steht da im letzten Absatz:
"Wir bedauern, daß wir Frau X gegenwärtig kein weiterreichendes Beschäftigungsverhältnis anbieten können." Diese Aussage klingt für mich fast so, als könne man mich nur als "Abteilungsneger" einsetzen; für anspruchsvollere (weiterreichende) Aufgaben sei ich zu dumm. Die Frage lässt sich leider ohne Kenntnis der sonstigen wertenden Aussagen und insbesondere der Beendigungsformel (z.B. "Das Arbeitsverhältnis endet zum DATUM aufgrund von ....") nicht beantworten. Eine typische Formulierung für den von Ihnen beschriebenen Kontext wäre: "Sie verlässt uns, um in einem anderen Unternehmen eine höherwertige Aufgabe zu übernehmen" (=die wir ihr nicht zuttrauten).
Klaus Schiller, arbeitszeugnis.de